Eröffnungsrede

Perspektivenwechsel.

Ave Maria – Die Verkündigung an Maria in modernen Kunstwerken

21. März 2013 im Bamberger Dom, Krypta
anschließend Empfang im Diözesanmuseum

 

Liebe Künstlerinnen und Künstler,
sehr geehrter Herr Generalvikar Msgr. Kestel,
sehr geehrter Herr Domkapitular Dr. Jung,
sehr geehrte Damen und Herren,

auch ich begrüße Sie ganz herzlich zu der heutigen Ausstellungseröffnung und freue mich, dass Sie gekommen sind. Viele sind sogar von weit her gekommen: aus Hamburg, von der Ostsee, aus Berlin, aus München und anderen Städten.

Die 13 kann ohne weiteres eine Glückszahl sein. Für mich jedenfalls ist es ein Glückstag, dass heute meine 13. AVE MARIA-Ausstellung eröffnet wird!

Im Jahr 2003 fand meine erste Ausstellung im Rahmen des Ersten Ökumenischen Kirchentages in der evangelischen St. Marienkirche am Alexanderplatz in Berlin statt. Weitere folgten mit immer neuen Kunstwerken in anderen Bundesländern.

Das Motiv der „Verkündigung an Maria“ ist vielen vertraut. Aber Darstellungen ohne Maria und ohne Engel – geht das überhaupt? Dank unseres kulturellen Gedächtnisses und unseres Assoziationsvermögens geht das durchaus, wie einzelne Verkündigungsdarstellungen in dieser Sonderausstellung beweisen.

Nicht weniger spannend sind aber auch die anderen Werke der insgesamt 53 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler. Sie haben gleich Gelegenheit dazu sich selbst ein Bild zu machen, auf welch unkonventionelle Weise das Thema von den Künstlern hinterfragt und erweitert wird und wie sie die vertraute Ikonographie aufbrechen.

Ausgewählte Exponate aus dem Domschatz und der Erzdiözese – allen voran die herrliche Bischofskrümme aus dem 13. Jahrhundert – machen in der Gegenüberstellung mit den modernen Werken den „Perspektivenwechsel“, besonders deutlich, d.h. den Wandel und die aktuelle Gestaltungsvielfalt des Verkündigungsmotivs.

In der Ausstellung geht es um die Darstellung nur eines einzigen Motivs. Aber dieses Motiv hat es seit fast 2000 Jahren in sich und wird von den Künstlern bis in unsere Gegenwart in allen Kunstgattungen und deren Mischformen zur Entfaltung gebracht: In der Malerei, Grafik, Fotografie, Bildhauerei, Installation, Videotechnik Sogar eine kurze Ballett-Aufführung des französischen Choreographen Angelin Preljocaj können Sie sich hier ansehen.

Die Zeitspanne der neuen Arbeiten reicht von einem Verkündigungs-Gemälde von Ernst Wilhelm Nay von 1946 bis hin zu taufrischen Werken, deren Farbe beinahe noch feucht ist.

Die Formate reichen von großen Leinwänden und Objekten mit einer enormen Raumpräsenz – auch draußen im Garten des Kreuzgangs – bis hin zu kleinen Schätzen, die aus der Nähe betrachtet werden wollen.

Zu der reizvollen Vielfalt dieser Gruppenausstellung gehört sicher die Möglichkeit, dass Sie den individuellen Stil eines jeden Künstlers kennen lernen und mit den anderen Verkündigungswerken vergleichen können.

Neben figürlichen Arbeiten werden Sie auch ungegenständliche finden sowie Werke, die beides miteinander verbinden.

Ganz zarte, geradezu visionäre Werke stehen neben leuchtend farbintensiven und expressiven Darstellungen von großer malerischer Dynamik wie beispielsweise dem roten Gemälde von Bernd Zimmer.

Im Gegensatz dazu können Sie aber auch nahezu monochrome, pastellfarbene oder schwarz-weiße Werke entdecken, deren Reize oder theologischer Zündstoff oft erst auf den zweiten Blick erkennbar ist, wie z.B. bei dem Linolschnitt von Johanna Schütz-Wolff.

Es werden außerdem eine Reihe von Bildern gezeigt, die eine Verkündigungsdarstellung aus einer früheren Epoche ganz oder teilweise in einem neuen, aktuellen Zusammenhang bringen, wie bei dem Bild mit dem Tintoretto-Engel, der in eine Bushaltestelle ’segelt‘ von Sylvia Vandermeer.

Narrative Arbeiten mit bedeutsamen Details, wie bei dem Diptychon von Manfred Hürlimann, wechseln mit eher distanzierten Gestaltungen, die ohne jede Raum-Angabe auskommen.

Viele Künstler entscheiden sich für eine immer stärkere bildliche Reduktion und Konzentration auf Gabriel und Maria wie beispielsweise Heimo Ertl bei seiner Bronzeskulptur „Schrecksekunde“, die Sie bereits vom Flyer, Plakat und dem Museums-Banner her kennen.

Einige Künstler geben das Geheimnis nur noch in Form einer Metapher wieder wie beispielsweise das Video über ein Wasserglas von Christoph Brech. Bei diesem und den anderen Arbeiten ist weder eine Marienfigur noch ein Erzengel erkennbar und trotzdem vermittelt sich uns durch das entsprechend gewählte Symbol und die Art der Gestaltung die Verkündigungsbotschaft, wie auch bei dem „Klosterbuch“ von Monika Schulz-Fieguth oder dem „Angelus“-Pfeil von Willi Grimm.

Auch die neuen Medien werden auf unterschiedliche Weise in die Darstellung einbezogen. Das kann auf ganz gegenständliche Art geschehen, in Anlehnung an unsere Alltagserfahrungen mit Handys oder Laptop, wie bei dem großen Gemälde von Thomas Jessen, das den Betrachter mit ins Bild zu nehmen scheint. Oder wie bei der Konzeptkünstlerin Gisela Weimann mit einem blauen „www.AVE MARIA.komm“-Schriftzug in Verbindung mit der gotischen Verkündigungsgruppe aus dem Diözesanmuseum.

Einige Künstlerinnen verwenden Schriftauszüge in ihren Werken, wie Sybille Loew mit ihrer gestickten Koran-Sure. Andere bedienen sich für ihre Arbeiten des Lukas-Evangeliums, eines Werbeslogans einer Autofirma, eines profanen Buchtitels oder bayrischen Marienliedes.

Einen interdisziplinären Ansatz verfolgt Karin Fleischer mit ihrer abstrakten ‚Simultan-Mitschrift‘, bei der Poesie, Musik und abstrakte Malerei eine harmonische Einheit eingehen.

Das reiche Vortragsprogramm zu dieser Ausstellung greift ebenfalls den interdisziplinären Ansatz auf. Die fünf Vorträge schlagen Brücken zwischen dem Motiv der Verkündigung in der modernen bildenden Kunst, der Theologie und der modernen Literatur.

Ganz besonders freue ich mich über den umfangreichen Katalog, dessen Redaktion Prof. Dr. Heimo Ertl in souveräner Weise übernommen hat, und den ich Ihnen mit seinen über 70 Farbabbildungen aller Exponate ans Herz legen möchte! Der Katalog umfasst nicht nur verschiedene wissenschaftliche Artikel, sondern auch von den meisten Künstlern persönliche Kommentare zu ihrem Verkündigungswerk.

Und damit bin ich auch schon bei meiner Danksagung:

Ich danke Herrn Domkapitular Dr. Jung, dem Leiter der Hauptabteilung für Kunst und Kultur des Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg, sehr herzlich für seine Aufgeschlossenheit gegenüber diesem Ausstellungsvorhaben und seinen motivierenden Vertrauensvorschuss und dem angenehmen Gestaltungsspielraum für meine Präsentation.

Durch ihn und die Vermittlung von Herrn Dr. Schwarzmann, Inventarisator und Denkmalpfleger, konnten die älteren Verkündigungsdarstellungen aus der Erzdiözese für diese Ausstellung gewonnen werden.

Großer Dank gilt auch Herrn Kempkens, dem neuen Leiter des Diözesanmuseums, für die Leihgaben aus dem Domschatz und seine vielfältige Unterstützung bei der Realisierung dieser Ausstellung.

Die Zusammenarbeit mit ihnen und der hilfsbereiten und stets geduldigen und stets verlässlich reagierenden Sekretärin, Frau Hipp, war rundum erfreulich und ertragreich.

Mein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle noch einmal Herrn Prof. Dr. Heimo Ertl, dem Spiritus Rector des ganzen Unternehmens. Er war der Fürsprecher dieser Ausstellung und hat sich auch sonst in jeder nur denkbaren Weise ehrenamtlich für dieses Projekt mit unermüdlichem Engagement eingesetzt. Dazu gehörte neben der Redaktion des 196 Seiten starken Kataloges, auch die Gewinnung der Referentinnen und Referenten für das Vortragsprogramm und das Wochenendseminar in Vierzehnheiligen. Ohne seine kluge und pragmatische Hilfe hätte ich diese große Ausstellung nicht verwirklichen können.

Herrn Dr. Schraudolph, Leiter des Katholischen Stadtbildungswerkes Bamberg, danke ich für die entgegenkommende Kooperation bei der Realisierung des Vortragsprogramms.

Mit Freuden danke ich den Autorinnen und Autoren für ihre spannenden Aufsätze und ihre Bereitschaft, im Rahmen dieser Ausstellung einen Vortrag zu halten.

Dem Vier Türme-Verlag Münsterschwarzach danke ich herzlich für den einwandfreien Druck des Kataloges mit den vielen schönen Farbabbildungen, der gerade rechtzeitig zur Eröffnung hier ankam.

Herzlicher Dank gilt auch dem Grafik-Atelier Plettau & Braun in Würzburg für die jederzeit gute Zusammenarbeit und ihr Eingehen auf eine Vielzahl von Sonderwünschen.

Herr Jäger hat sich nicht nur in seiner Funktion als Haumeister eingebracht, sondern sich vor allem auch als geschickter Schreiner für die Anfertigung und Umsetzung der gesamten Ausstellungsarchitektur äußerst verdient gemacht. Seine tatkräftige Hilfe und seine kreativen Ideen gingen weit über das normale Maß eines Ausstellungsaufbaus hinaus. Dafür sei ihm Lob und Dank.

Keine Ausstellung ohne die Künstlerinnen und Künstler und ihre Werke, die die Grundlage und die Inspirationquelle dieses Projekts sind! Deshalb ihnen sowie den öffentlichen und privaten Leihgebern von ganzem Herzen Dank für ihr Vertrauen und ihre treue Unterstützung.

Nicht zuletzt möchte ich meinem Mann danken, dass er mir so viel Freiraum für meine Ausstellungsvorbereitungen geschenkt hat und für seine konstruktive kritische Begleitung und Unterstützung meines Projektes.

Nun wünsche ich Ihnen allen einen entdeckungsfreudigen Rundgang durch die Ausstellung. Nutzen Sie die gute Gelegenheit für persönliche Gespräche mit den anwesenden Künstlern!

Und sollten Sie Interesse an dem einen oder anderen Kunstwerk haben, vermittle ich gerne den Kontakt, denn viele der hier gezeigten Werke können erworben werden.

Ich wünsche Ihnen noch einen anregenden Abend.

An Perspektivenwechseln wird es Ihnen hier sicher nicht fehlen!

Nun bitte ich noch alle Künstler zu mir nach vorne, damit ich Sie den Besuchern kurz vorstellen und sagen kann, wo Ihr Werk jeweils in der Ausstellung zu sehen ist.

Dr. Sabine Maria Hannesen, Berlin, Kunsthistorikerin
Kuratorin der Ausstellung und Initiatorin des AVE MARIA-Kunstprojekts

→ Download der Eröffnungsrede